Stadtgespräch | Weltoffenheit als Fundament des Zusammenlebens
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Weltoffenheit als Fundament des Zusammenlebens
Das dritte „Stadtgespräch“ in der Bibliothek thematisierte die Kultur des Miteinanders
Worin manifestiert sich Weltoffenheit? Wo beginnt sie? Und wie offen ist Magdeburg im Alltag tatsächlich? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die dritte Ausgabe des „Magdeburger Stadtgesprächs“ in der Stadtbibliothek Magdeburg.
Auf dem Podium diskutierten Dr. Cornelia Poenicke, Direktorin der Stadtbibliothek Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Lisa Underberg, Institutsleiterin des ifak – Institut für Automation und Kommunikation e. V., Burghard Gruppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg (HWK), sowie Krzysztof Blau, Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA). Schnell wurde deutlich: Weltoffenheit ist weit mehr als ein gesellschaftliches Leitbild. Sie bildet die Grundlage für ein respektvolles, vielfältiges und zukunftsfähiges Zusammenleben.
Prof. Dr.-Ing. Lisa Underberg betonte, dass „Forschung und Weltoffenheit einander bedingen“. Wissenschaft sei international ausgerichtet und lebe von Diversität. Das ifak mit Sitz im Wissenschaftshafen verstehe sich deshalb als wichtiger Baustein einer weltoffenen Stadtgesellschaft. Weltoffenheit zeige sich aber auch in Formaten, die Begegnungen ermöglichen und Berührungsängste abbauen. „Ein gutes Beispiel dafür sind die Tomorrow Labs, die in diesem Jahr am 6. Juni stattfinden“, sagte Prof. Lisa Underberg. Dabei verwandelt sich der Wissenschaftshafen in ein „Zukunftslabor“, in dem Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen kostenfrei, interaktiv und unterhaltsam Einblicke in Wissenschaft und Innovation geben.
Krzysztof Blau berichtete, dass er Weltoffenheit in Magdeburg täglich erlebe. „Sie beginnt bei Freundlichkeit oder Unterstützung im Alltag“, sagte der Geschäftsführer der AGSA. Die Auslandsgesellschaft versteht er dabei als wichtige Impulsgeberin: „Wir gestalten seit 30 Jahren das Miteinander.“ Seit ihrer Gründung setzt sich die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. für ein friedliches, demokratisches und tolerantes Zusammenleben ein. Als Dachverband von rund 50 Mitgliedsorganisationen arbeitet die AGSA gemeinsam mit Migrantenorganisationen, binationalen Initiativen und demokratiefördernden Partnern für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft. Mit dem einewelthaus bietet sie seit drei Jahrzehnten einen wichtigen Ort für interkulturelle Begegnung, Austausch und Vernetzung mit internationaler Ausstrahlung.
Ein aktuelles Beispiel für dieses Engagement ist der 24. Sachsen-Anhalt-Tag, der vom 5. bis 7. Juni 2026 in Bernburg (Saale) unter dem Motto „Wo Sachsen-Anhalt trifft“ stattfindet. Erstmals organisiert die AGSA beim Aktionstag die Themenstraße „Weltoffenes Sachsen-Anhalt“. Auf dem Karlsplatz werden mehr als 20 Organisationen einen Ort der interkulturellen Begegnung, des demokratischen Dialogs und internationaler Beziehungen gestalten.
Dr. Cornelia Poenicke erinnerte an das vielfältige Veranstaltungsprogramm, mit dem die Stadtbibliothek Magdeburg 2025 ihr 500-jähriges Bestehen feierte. Die Festwochen boten ein breites Spektrum an Lesungen, Konzerten und Mitmachaktionen für alle Altersgruppen. „Dass wir uns für alle geöffnet haben und möglichst viele Menschen ansprechen wollten, hat das Jubiläum so erfolgreich gemacht“, sagte Dr. Poenicke. Gleichzeitig seien zahlreiche neue Kooperationen entstanden.
Angebote für die Gesellschaft seien ein „immens wichtiger Beitrag zur Weltoffenheit“. Lokale Vielfalt müsse aktiv gefördert und das gute Zusammenleben in einer Kommune gepflegt werden. Gerade deshalb sei es wichtig, Bibliotheken trotz aller Herausforderungen und zunehmender Digitalisierung zukunftsfähig weiterzuentwickeln. „Bibliotheken sind Orte, an denen sich ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen begegnen und gemeinsam positive Erfahrungen machen“, betonte Dr. Poenicke.
Burghard Gruppe richtete den Blick auf die Situation am Arbeitsmarkt. „Millionen Erwerbstätige der Babyboomer-Generation gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Diese Lücke lässt sich ohne internationale Fachkräfte nicht schließen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der HWK. Gezielte Zuwanderung und funktionierende Willkommensstrukturen seien unerlässlich, um den Arbeitsmarkt stabil zu halten. Schon heute könnten zahlreiche Stellen nicht besetzt werden.
Er verwies auf Projekte, mit denen Fachkräfte nach Magdeburg geholt werden. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer engagiert sich die HWK beispielsweise in Vietnam. Positive Rückmeldungen erhalten HWK und AGSA auch für das bundesweite Förderprogramm „Berufsbildung ohne Grenzen“. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen sowie Auszubildende und junge Fachkräfte dabei, internationale Berufserfahrungen zu sammeln und interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln.
Burghard Gruppe warb zudem für mehr Offenheit gegenüber unterschiedlichen Bildungs- und Berufswegen: „Nicht jeder muss einen geradlinigen Lebensweg haben. Und nicht jeder sollte Akademiker werden. Viele Menschen finden im Handwerk ihre Erfüllung.“
Das dritte „Magdeburger Stadtgespräch“ machte insgesamt deutlich, dass Weltoffenheit in Magdeburg auf vielen Ebenen gelebt wird – in Wissenschaft, Kultur, Bildung, Arbeitswelt und Alltag. Sie zeigt sich durch interkulturellen Austausch, gegenseitigen Respekt, gesellschaftliche Teilhabe und Strukturen, die Begegnung ermöglichen.
Mit dem Format möchten AGSA und Pro Magdeburg den öffentlichen Diskurs über Weltoffenheit weiter stärken. Regelmäßig kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen, setzen Impulse für kommunales Handeln und gesellschaftliches Engagement – durch fachlichen Austausch und persönliche Perspektiven. Die Teilnahme an der Veranstaltungsreihe ist kostenfrei und offen für alle Interessierten.